Achtsamkeit

Journaling: Mein Tagein-Tagaus-Tagebuch

Journaling: Sich glücklich schreiben
Sich glücklich schreiben.
Bild von CharuTyagi, Pixabay.

Ich habe als Jugendliche für eine Weile Tagebuch geführt, in einem hübschen A5-Büchlein im Japanstil. Ich bin dabei weder besonders ehrlich zur Sache gegangen, noch hat es mir große Freude bereitet. Im Gegenteil – ich fand es lästig. Also hab ich es nach ein paar Monaten wieder sein lassen und dachte, die Sache mit der Tagebuchschreiberei hätte sich erledigt.

Als ich mich aber mehr mit Achtsamkeit und Meditation beschäftigt habe, bin ich auf das Konzept des Journalings gestoßen. Das ist im Grunde nichts anderes als Tagebuchführen, aber der Fokus liegt hier auf dem befreienden Sich-alles-von-der-Seele-Schreiben und ihm werden magische heilsame Kräfte nachgesagt.

Außerdem eignet sich Journaling hervorragend dazu, kreatives Lostexten zur Gewohnheit zu machen. Gerade für Wortmenschen wie Schriftsteller, Texter, Übersetzer oder Journalisten kann es also eine exzellente Übung sein.

Tagebuch ade, Journaling ahoi

Aber wie sieht das nun konkret aus? Es gibt verschiedene Geschmacksrichtungen. Ein Beispiel sind die Morgenseiten, die Julia Cameron mit ihrem Buch The Artist´s Way bekannt gemacht hat. Dabei nimmst du dir direkt nach dem Aufstehen tapfer drei Seiten Papier vor und schreibst drauf los, bis sie voll sind. Mit der Hand, wohlgemerkt. Schreib einfach auf, was dir in den Sinn kommt, ungefiltert, eine Assoziation folgt der nächsten. Wie eine Art Großreinemachen saugst du dir dabei neben allerlei Belanglosigkeiten auch so manche Seelennot aus dem Herzen.

Achtsam, aber kurz und bündig

Eine andere Art des Journalings hat es mir aber mehr angetan: Das Five Minute Journal (zu Deutsch: das 5-Minuten Tagebuch).

Der Vorteil ist, dass es weniger Zeit in Anspruch nimmt und du strukturierter arbeitest, was mir persönlich eher liegt. Morgens drei Fragen beantworten und abends noch zwei, macht für Eilige nur rund fünf Minuten.

Am Morgen
Ich bin dankbar für…
Was würde den heutigen Tag wundervoll machen?
Tägliche Affirmationen. Ich bin…

Am Abend
3 fantastische Dinge, die heute passiert sind…
Wie hätte ich meinen Tag besser gestalten können?

Journaling: Online-Tagebücher sind praktisch für jede Form des Journalings
Online-Tagebücher sind praktisch für jede Form des Journalings.
Bild von Meande.

Die Auseinandersetzung mit Dingen, für die wir dankbar sind, und die positiven Aspekte unseres Alltags soll Studien zufolge ebenso positive Effekte auf uns Tagebuchschreiber haben. Kreisende Gedanken landen auf dem Papier, der Geist kommt zur Ruhe. Journaling macht also glücklich und hilft, loszulassen. Mehr dazu erfährst du im YouTube-Video, das ich unten verlinkt habe.

Das 5-Minuten-Tagebuch ist eine amerikanische Erfindung, inzwischen aber auch auf Deutsch verfügbar. Du kannst natürlich auch einfach ein leeres Büchlein bemühen oder ein jungfräuliches Dokument auf deinem Rechner anlegen, wo du die fünf Fragen tagein, tagaus beantwortest.

Oder du machst es wie ich und tagebuchst online, etwa bei Penzu.com. Hier hast du die Wahl zwischen verschiedenen Tagebuchstilen und kannst deine Texte bequem archivieren. Neben der kostenlosen Version gibt es zwei Bezahlvarianten, die verschiedene Extras bieten, etwa Verschlüsselung und zusätzliche Stile.

Bau dir eigene Bausteine

Ich habe für meine Version die Bestandteile leicht angepasst und bin jetzt, nach einigem Ausprobieren, sehr zufrieden. Zusätzlich zu den Fragen, die ich für mich umformuliert habe, habe ich einen kleinen Statusbericht vorangestellt und gestatte mir außerdem, mich sowohl kurzzufassen als auch ausschweifend Gedanken zu ePapier zu bringen, je nach Tagesform.

Hier ist meine tägliche Schreibvorlage. Wie du siehst, ist der Unterschied klein, aber fein:

Am Morgen
Körper: 
Geist: 
Seele: 
Ich bin dankbar für: 
Wie möchte ich diesen Tag wunderbar machen? 
Was steht heute Besonderes an? 
Positive Selbstbekräftigung:

Am Abend
Was war heute super? 
Was habe ich mir anders vorgestellt?

Ich schlage dir vor, dass auch du dir etwas baust, das für dich persönlich funktioniert und sich richtig anfühlt. Nur dann wirst du auch Freude daran haben, jeden Morgen und vielleicht auch jeden Abend an deinem Journal zu sitzen und aufzuschreiben, was dich bewegt.

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